Der Mensch macht den Erfolg

EIN STARKES TEAM: Software-Unternehmen mbi setzt auf Familienfreundlichkeit

Ein Bericht von Iris Baar.

Hüttenberg-Rechtenbach. Die Hausaufgaben hat sie schon fertig. Jetzt malt die siebenjährige Marie noch ein Bild. Nichts Besonderes um die Mittagszeit - sollte man meinen. Doch Marie sitzt im Büro ihrer Mutter, am Schreibtisch direkt gegenüber von Simone Hund, Prokuristin der Firma mbi aus Rechtenbach.

„Meine Tochter ist heute früher aus der Schule gekommen, das passiert manchmal“, erklärt Simone Hund, die noch eine weitere Tochter, Theresa (8), hat. Auch Theresa kennt den Arbeitsplatz ihrer Mutter, die Kollegen, die Räumlichkeiten. Und die Mädchen sind nicht die einzigen Mitarbeiter-Kinder, die im Software-Unternehmen mbi schon mal durch die Gänge flitzen oder mit am Mittagstisch sitzen. „Die Familienfreundlichkeit gehört bei uns zur Leitlinie“, erklärt mbi-Geschäftsführer Martin Bork (großes Foto links). „Wir haben viele Mitarbeiter mit Kindern und wollen, dass alle Arbeit und Familie unter einen Hut bekommen“, so Bork weiter. „Denn bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt.“

 

Bei Geschäftsführer Bork sind das nicht nur leere Worte. So übernimmt das Unternehmen Kindergartengebühren für den Regelplatz für jeweils ein Kind pro Familie. Sind Kinder oder der Ehegatte krank, gibt es flexible Arbeitszeiten, Sonderurlaub oder die Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten. „Sonn- und Feiertage gehören bei uns der Familie, da arbeiten wir in der Regel nicht.“ Und je nach Betreuungssituation können die Mitarbeiter ihre Kinder auch zur Arbeit mitbringen. Erleichtert wird das Thema Familienfreundlichkeit dabei durch die Lage der Firma: Zwei Kindergärten sowie die Grund- und Gesamtschule liegen direkt neben dem Unternehmen. „Das sind optimale Voraussetzungen für Eltern“, sagt Simone Hund. Das Engagement der Firma, die ihr Arbeiten und Mutter sein ermöglicht, fördert auch ein Engagement bei ihr. „Die Firma kommt mir sehr entgegen, also mache ich mich für die Firma stark.“ So wie Simone Hund geht es auch den anderen Mitarbeitern: „Vielleicht können wir bei der Bezahlung nicht mit Arbeitsplätzen bei Unternehmen in Frankfurt konkurrieren, aber das besondere Engagement für jeden einzelnen Mitarbeiter macht uns attraktiv“, sagt Klaus Schultze-Rhonhof, Personalleiter bei mbi. Auch für den Rechtsanwalt ist die Familienfreundlichkeit ein wichtiger Faktor gewesen, ins Unternehmen  einzusteigen. „Ich habe vier Kinder.“ Als er vor einem Jahr bei mbi begann, führte er mit jedem Mitarbeiter ein Gespräch. „Die Stimmung ist durchweg gut, es hat großes Lob für die Familienfreundlichkeit gegeben.“

 

Zusammenarbeit mit Menschen, die in der Entwicklungshilfe arbeiten

Bork weiß, dass die Leitlinie „Mensch“ zum Erfolg seines Unternehmens beiträgt. Er weiß vor allem, was es heißt, Zeit für die Familie zu haben. „Ich bin in einer Großfamilie aufgewachsen, hatte sieben Schwestern“, erzählt der Firmengründer, der heute selbst fünf Kinder im Alter von 18 bis 26 Jahren hat. „Als meine Kinder noch klein waren, habe ich in Frankfurt gearbeitet. Da musste ich immer pendeln und hatte wenig Zeit für meine Familie.“ Das gefiel ihm gar nicht. 1994 machte er sich deshalb selbstständig und gründete die Software-Firma mbi in Rechtenbach, die inzwischen 40 Mitarbeiter zählt. Inzwischen ist die Firma Mitglied im Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“, das vom Bundesfamilienministerium gefördert wird. Das Netzwerk versteht sich als zentrale Plattform für Unternehmen, die sich für eine familienbewusste Unternehmensführung einsetzen. Doch Bork sieht nicht nur seine Mitarbeiter als Menschen im Mittelpunkt, das gleiche gelte auch für die Kunden, erklärt der Geschäftsführer die ethischen Werte des Unternehmens. Zu den Kunden gehören unter anderem Hilfsorganisationen wie die Welthungerhilfe oder Caritas  international, die in Entwicklungsländern tätig sind. „Für sie haben wir eine Spezialsoftware, Winpaccs, entwickelt, mit der Spendengelder transparent verwaltet werden können“, erklärt Bork einen Firmenbereich, der ihm besonders am Herzen liegt. „Wir haben dadurch viel mit Menschen zu tun, die in der Entwicklungshilfe aktiv sind. Und es macht eine besondere Freude, mit diesen Menschen zusammenzuarbeiten.“ Das empfinden auch die Mitarbeiter so, von denen die meisten in Rechtenbach oder Umgebung wohnen. Sie genießen das wohnortnahe Arbeiten, das Klima in der Belegschaft, den direkten Kundenkontakt. Zum Beispiel der Kollege Dierk Rink. Der 45-Jährige arbeitet mit Kunden aus dem Bereich Versicherungen und Winpaccs zusammen. „Ich gehe gerne hier arbeiten, die Atmosphäre ist offen, das Miteinander sehr persönlich“, erzählt Rink. Warum das so ist, steht für ihn außer Frage: „Wenn man seinen Mitarbeitern so eine Wertschätzung entgegenbringt, geben die das dem Unternehmen auch wieder zurück.“ Etwas, dass auch die Kunden merken würden, ist sich Rink sicher: „Sonst hätten wir nicht so langfristige Kundenbeziehungen.“ Dann wirft Rink einen Blick auf die Uhr. Es ist Freitag, das Team bestellt gleich Pizza für die Mittagspause. Und seine beiden Kinder, Silas (4) und Annika (6) sollen heute mitessen. Genauso wie Marie und Theresa Hund. Sie sitzen dann mit dem gesamten Team im Besprechungsraum, vor sich eine übergroße Pizza Salami und zeigen, wie einfach es doch geht, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen.

 

Das Unternehmen mbi

Das Unternehmen mbi mit Sitz in Rechtenbach ist ein mittelständisches Software- und Beratungsunternehmen mit 40 Mitarbeitern. Sie entwickeln und betreuen individuelle Software-Lösungen unter anderem für Unternehmen wie die R+V Versicherungen in Wiesbaden oder den Bundesanzeigerverlag in Köln. Die von mbi entwickelte Software Winpaccs ist weltweiter Marktführer in der Entwicklungszusammenarbeit und wird in über 130 Ländern von internationalen Hilfsorganisationen eingesetzt.

Dieser Artikel ist in der Wetzlarer Neuen Zeitung am 28. April 2013 erschienen.