Bundespolitiker besuchte gestern ein IT-Unternehmen in Rechtenbach

Arbeitsminister Riester: Schulden abbauen, um gestalten zu können

Hüttenberg-Rechtenbach (dpg). Nach 20.000 Fachkräften für die Informationstechnologie (IT) will Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) jetzt 50.000 Behinderte zusätzlich in Beschäftigung bringen. Das kündigte Riester gestern beim Besuch des IT-Spezialisten mbi Unternehmensberatung in Rechtenbach an. Zudem warb der Minister im Beisein von Hüttenbergs Bürgermeister Dr. Manfred Schmidt für die Sparmaßnahmen der Bundesregierung.

"Wir müssen jetzt Schulden abbauen, weil diese uns furchtbar erdrücken", brach Riester eine Lanze für Finanzminister Eichel. Entschuldung - beispielsweise durch Einnahmen aus Verkäufen von Mobilfunklizenzen - bringe "Luft, um künftig wichtige Infrastrukturmaßnahmen finanzieren zu können", zum Beispiel beim Autobahnbau.

Bundesarbeitsminister Riester (rechts) erkundigte sich in Rechtenbach bei mbi-Geschäftsführer Martin Bork nach dem Stand an der Informatiker-"Front".

"Green Card" plus mehr Ausbildungsplätze

Vehement verteidigte Riester die geplante "Green Card"-Regelung, mit der 20000 Informatiker eine befristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis in Deutschland bekommen sollen. "Wir haben immer weniger Arbeitsplätze mit geringem Qualifikationsbedarf und immer mehr, die eine hohe Qualifikation voraussetzen". Weil die Fachkräfte fehlten, solle der Arbeitsmarkt für fünf Jahre beschränkt geöffnet werden. Zugleich habe sich die Branche verpflichtet, die Ausbildungsstellen um die Hälfte auf 60000 zu erhöhen.

Der Minister wandte sich dagegen, die "Green Card"-Regelung auch auf andere Branchen auszudehnen, etwa die Pflege. "Die Ausbildung müssen wir Deutschen schon selbst schaffen." Keinesfalls dürfe die Caritas Krankenschwestern aus Indien zu Dumpinglöhnen beschäftigen.

Ein Lob für die Unterstützung des Arbeitsamtes bei der Besetzung von Auszubildendenstellen attestierte mbi-Geschäftsführer Martin Bork dem Minister. Neben diesen Angeboten greife seine Firma vor allem auf regionale Nachwuchskräfte zurück. Der Minister gab zu, dass es schwierig sei, IT-Fachleute über die traditionellen Wege zu vermitteln. Dennoch hätten seit Beginn der "Green Card-Debatte" Unternehmen bereits 7500 offene Stellen gemeldet, aus dem Ausland lägen 2500 Bewerbungen vor. Riester appellierte, bei Stellen-Neubesetzungen auch ältere Bewerber zu berücksichtigen. "Auch ein 45-Jähriger kann noch flexibel sein und umlernen."

Der Forderung Borks nach Vereinfachung von Verwaltungsakten wolle er nachkommen, versprach Riester. So wolle er durchsetzen, dass die Unternehmen nur noch pauschalisierte Sozialversicherungsangaben an die Rentenversicherung weiterleiten müssten. Die Verteilung an die Krankenkassen könnten dort zentral erledigt werden und die Unternehmen von dieser Tätigkeit entlasten.

mbi, 1995 gegründet, beschäftigt in Rechtenbach sieben Mitarbeiter. Die Firma entwickelte bereits komplexe IT-Anwendungen für die Bundesanstalt für Arbeit, für die Eschborner Gesellschaft für technische Zusammenarbeit sowie die R+V-Versicherung.

Wetzlarer Neue Zeitung, 13. Mai 2000

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